Sjögren Syndrom - Symptome & Therapie

Das Sjögren-Syndrom ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der sich einzelne Komponenten des Immunsystems gegen die sekretbildenden Drüsen im Körper richten. Von Entzündung betroffen sind vor allem die Tränen- und Speicheldrüsen, was eine Verminderung des Tränen- und Speichelflusses bewirkt und die Schleimhäute austrocknet. Die Erkrankung wurde erstmals 1933 vom schwedischen Augenarzt Henrik Sjögren beschrieben. Sie ist bis heute in der Bevölkerung weitgehend unbekannt und auch ihre Entstehung ist bislang noch nicht eindeutig geklärt. 

Symptome und Verbreitung von Sjögren-Syndrom

Das Sjögren-Syndrom kann als eigene Erkrankung (primär) oder in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen (sekundär), wie rheumatoider Arthritis oder dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) auftreten. Das Leitsymptom bei Personen mit primärem Sjögren-Syndrom ist eine anhaltende Mund– und Augentrockenheit (Sicca-Symptomatik), die meist ab einem Lebensalter von 40-50 Jahren und in ca. 90 % der Fälle bei Frauen auftritt. Die betroffenen Patienten klagen häufig über starke Erschöpfung, die Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Es können weitere Symptome wie Gelenk- und Muskelbeschwerden, vorübergehend geschwollene Speicheldrüsen und Halslymphknoten, Hautveränderungen und Durchblutungsstörungen in den Fingern (Raynaud-Syndrom) hinzukommen. In seltenen Fällen werden darüber hinaus Lunge, Nieren, Blutgefäße und/ oder das Nervensystem geschädigt. Die Mehrheit der vom Sjögren-Syndrom betroffenen Patienten sind Frauen. Es ist jedoch nicht bekannt, wie viele Menschen insgesamt an der Erkrankung leiden. Der Grund für fehlende Statistiken ist die äußerst schwierige Diagnosestellung. Die häufigsten Symptome wie trockene Augen, trockener Mund und trockene Schleimhäute führen die Patienten als erstes zu Fachärzten wie Augen-, HNO- oder Zahnärzten. Da die Symptome jedoch auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, werden sie häufig nicht in Zusammenhang mit Sjögren-Syndrom gebracht. Die Patienten haben somit in vielen Fällen einen jahrelangen Weg bis zur Diagnose vor sich. 

Diagnosestellung des Sjögren-Syndroms

Bei Verdacht auf Sjögren-Syndrom, kann zunächst mit einfachen Funktionstests (Schirmer-Test, Messung des Speichelflusses) untersucht werden, ob eine verminderte Drüsenfunktion objektiv nachweisbar ist. Im nächsten Schritt wird geprüft, ob die Autoantikörper SS-A(Ro) und SS-B(La) im Blut festgestellt werden können, die bei vielen, jedoch nicht bei allen Sjögren-Patienten zu finden sind. Sollte trotz fehlendem Nachweis von Autoantikörpern im Blut weiterhin der Verdacht auf Sjögren-Syndrom bestehen, kann eine Speicheldrüsenbiopsie veranlasst werden.  

Therapiemethoden bei Sjögren-Syndrom

Auch wenn die Erkrankung bis heute nicht heilbar ist und es keine Medikamente gibt, die alle auftretenden Symptome erfolgreich bekämpfen können, gibt es dennoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Trockenheitssymptome werden in erster Linie durch Ersatzstoffe, wie künstliche Tränen- und Speichelflüssigkeit oder Nasengel gelindert. Für die Mundtrockenheit wird zudem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr empfohlen. Rheumatische Begleitbeschwerden werden mit Basismedikamenten, wie Antimalariamitteln (z.B. Quensyl), Kortison und Immunsuppressiva behandelt. Letztere sind Arzneimittel, welche die Funktionen des Immunsystems vermindern. Bisher können Immunsuppressiva allerdings nur in frühen Stadien der Erkrankung, wenn noch eine Restfunktion der Drüsen nachweisbar ist, die Sekretion verbessern. Ähnliches gilt für die bislang eingesetzten Biologika, also Arzneimittel, die mit Methoden der Biotechnologie und gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Bis heute gibt es kein für das Sjögren-Syndrom zugelassenes Medikament, welches in kontrollierten klinischen Studien einen Wirksamkeitsnachweis erbringen konnte. In einer placebokontrollierten Studie wurde allerdings nachgewiesen, dass der monoklonale Antikörper Rituximab bei noch vorhandener Restfunktion der Drüsen zu einer deutlichen Verbesserung der Sekretion führte. 

Zur Verbesserung der Therapiemöglichkeiten des Sjögren-Syndroms wird derzeit intensiv geforscht, insbesondere im Bereich der Biologika. Auch bei der Charité Research Organisation führen wir klinische Studien mit neuen Wirkstoffen gegen Sjögren-Syndrom durch. Hierfür suchen wir Sjögren-Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier