Rheuma - Fortschritt durch klinische Forschung

Noch vor nicht allzu langer Zeit war Rheuma eine fast unbehandelbare Krankheit. Seither hat sich viel getan: Folgen Sie uns auf einem kleinen, historisch geleiteten Blick über die Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankung. 

Über Rheuma kursiert viel „gefühltes Wissen“. Doch was ist Rheuma eigentlich? Beginnen wir zunächst damit zu klären, was es nicht ist: Rheuma entspringt nicht kaltem und feuchtem Wetter, man bekommt es nicht vom „Knacken lassen“ der Handgelenke, außerdem ist es nicht nur eine Erkrankung älterer Menschen.

Was ist Rheuma?

Rheuma ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen, die alle eines gemeinsam haben: Aus noch ungeklärten Gründen greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an, was im Körper zu einer chronischen Entzündungsreaktion führt. Diese Autoimmunerkrankung kann ganz unterschiedliche Organsysteme betreffen. Bei der Rheumatoiden Arthritis sind dies vor allem die Gelenke, bei weniger bekannten rheumatischen Erkrankungen wie dem Lupus erythematodes verschiedene inneren Organe. Eine derartige chronische Entzündungsreaktion bleibt nicht ohne Folgen: Bei der Rheumatoiden Arthritis kommt es zu Schmerzen, Gelenkschwellungen und oftmals zu der typischen Morgensteifigkeit der betroffenen Gelenke. Bei unzureichender Behandlung führt die Dauerentzündung zu stark deformierten und zerstörten Hand- und Fingergelenken. Die Betroffenen haben einen hohen Leidensdruck: Sie sind nicht nur im Alltags- und Berufsleben stark eingeschränkt, sondern klagen häufig auch über Abgeschlagenheit und/ oder Depressionen. Weniger bekannt ist, dass die chronische Entzündungsreaktion auch die Lebenserwartung der Betroffenen verkürzen kann.

Lange Zeit kaum Behandlungsmöglichkeiten für Rheumatiker

Früher konnten Ärzten Rheumapatienten kaum helfen. Die Behandlung bestand aus Kuren, Bädern und Einreibungen. Waren die größeren Gelenke bewegungseinschränkend geschwollen, wurde das Gelenk punktiert und die Flüssigkeit abgezogen. Diese Maßnahmen halfen aber nur kurzfristig. 

Zwar wurde in den 50er-Jahren eine effektive Behandlungsmethode durch Kortison entdeckt, aufgrund der Nebenwirkungen bei hochdosierter Langzeitbehandlung war die Euphorie aber nur von kurzer Dauer. Lange Zeit war das gute alte Aspirin die schärfste Waffe des behandelnden Arztes, denn dieses Medikament wirkt schmerz- und entzündungshemmend – die dauerhafte Gelenkschädigung hingegen kann es nicht aufhalten. 

Durchbruch in der Rheumaforschung

Der erste wirkliche Durchbruch gelang mit dem Einsatz sogenannter DMARDs („disease-modifying anti-rheumatic drugs“), also Medikamente, die den Krankheitsverlauf der Autoimmunerkrankung tatsächlich beeinflussen können. An erster Stelle ist hier das Methotrexat („MTX“) zu nennen, ein ursprünglich in der Krebsbekämpfung eingesetztes Medikament. Zwar müssen wegen möglicher Nebenwirkungen einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, aber vielen Patienten hilft diese Therapie schon deutlich, den Alltag wieder zu bewältigen. Seit Mitte der 90er-Jahre gibt es als neues therapeutisches Prinzip die sogenannten „biologischen Medikamente“, die direkt in das Entzündungsgeschehen des Immunsystems eingreifen. Durch diese Medikamentenklasse konnte teilweise selbst schwer betroffenen Patienten geholfen werden. Allerdings wird dieser therapeutische Erfolg buchstäblich teuer erkauft, denn diese sogenannten monoklonalen Antikörper sind überaus kostenintensiv. 

Heute beginnt man so früh wie möglich mit der Behandlung, um die Gelenkzerstörung möglichst früh aufzuhalten. Die Medikamente werden je nach Krankheitsaktivität und –stadium in Stufen einzeln oder in Kombination eingesetzt. Unterstützend sollte auf eine rauchfreie und gesunde Lebensführung geachtet werden. 

Tatsächlich hat sich auf nur wenigen medizinischen Gebieten in den letzen Jahrzehnten so viel getan wie in der Rheumatologie. Und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende: Bei uns in der Charité Research Organisation wurden und werden viele Studien mit neuen Wirkstoffen durchgeführt.