HIV - Stand der medizinischen Forschung

Seit der Entdeckung des Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) Anfang der 1980er Jahre arbeitet die Forschung intensiv an der Entwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung dieser lebensbedrohlichen Viruserkrankung. Das HI-Virus zerstört bestimmte weiße Blutzellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern wichtig sind und schwächt so nach einer meist mehrjährigen, symptomfreien Zeit die körpereigene Abwehr. Der Körper kann sich dann gegen eigentlich harmlose Krankheiten nicht mehr angemessen wehren. Kommt es zum Ausbruch sogenannter „opportunistischer Erkrankungen, spricht man vom einer „erworbenen Immunschwäche-Krankheit“ (auf Englisch „Aquired Immunodeficiency Syndrome, AIDS“). Die Hoffnung, innerhalb kurzer Zeit eine Impfung gegen das Virus entwickeln zu können, hat sich bis heute leider nicht erfüllt; zu schnell verändert das Virus seine Oberfläche. Trotzdem konnte die Forschung in den letzten drei Jahrzehnten erstaunliche Erfolge im Kampf gegen AIDS verzeichnen: Auch wenn die Krankheit nicht endgültig geheilt werden kann, gibt es heute doch Medikamente, mit denen das Virus lange Zeit unter Kontrolle gehalten und so der Ausbruch von AIDS verhindert oder zumindest erheblich verzögert werden kann.

Verbreitung von HIV

Ende 2013 lebten weltweit etwa 35 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Noch immer kommt es jährlich zu etwa zwei Millionen Neuinfektionen; diese Quote ist allerdings weltweit aus vielen unterschiedlichen Gründen rückläufig. Im Jahr 2013 verstarben etwa 1,5 Millionen Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion, Mitte der 2000er Jahre lag diese Zahl noch bei 2,2 Millionen.
Betrachtet man nur Deutschland, sind die Zahlen im weltweiten, aber auch im Vergleich zu Westeuropa auf recht niedrigem Niveau: Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Zahl der HIV-infizierten Menschen in Deutschland Ende 2013 auf rund 80.000 Personen. Die momentane Rate an Neudiagnosen beträgt zur Zeit ca. 3500 Fälle pro Jahr. Gut zwei Drittel der Betroffenen erhalten eine gezielte medikamentöse Behandlung der HIV-Infektion. 

Behandlung von HIV

Eine wirksame medikamentöse Therapie zur Behandlung von HIV (die sogenannte antiretrovirale Therapie, ART; bzw. hoch aktive ART, HAART) gibt es seit 1996. Diese Medikamente greifen auf verschiedene Weise in den Vermehrungszyklus des Virus ein und hemmen so dessen Reproduktion. Da das HIV-Virus aber enorm anpassungsfähig ist, besteht die Gefahr einer schnellen Resistenzbildung einzelner Viren auf einen eingesetzten Wirkstoff. Deshalb müssen immer mehrere Medikamente verschiedener Wirkmechanismen gleichzeitig eingenommen werden – der Begriff Kombinationstherapie hat sich eingebürgert. 
Wenn die Kombinationstherapie vorschriftsgemäß befolgt wird und keine Resistenzen vorliegen, reduziert diese die Viruslast im Blut bis unter die Nachweisgrenze. Das Immunsystem des Patienten hat dadurch wieder genügend spezialisierte weiße Blutkörperchen („T-Helferzellen“), um Infektionen in Schach zu halten. Die Etablierung der Kombinationstherapie war somit der Meilenstein in der Behandlung: War eine HIV-Infektion vor 1996 noch ein sicheres Todesurteil, ist sie mittlerweile in den meisten Fällen lediglich eine chronische Krankheit mit weitgehend normaler Lebensqualität und –erwartung. Einschränkend ist zu sagen, dass diese positive Bilanz vor allem für wohlhabende Weltregionen gilt, denn die antiretrovirale Therapie ist teuer und steht in vielen Ländern mit hohen Infektionsraten kaum zur Verfügung. 
Jedoch kann auch die Kombinationstherapie das HI-Virus nicht endgültig aus dem Körper eliminieren und die Krankheit dauerhaft heilen. Ebensowenig haben sich bislang Hoffnungen auf einen Impfstoff erfüllt. 

Forschung

Aktuell befinden sich über 20 verschiedene Medikamente zur Behandlung von HIV auf dem Markt. Trotzdem besteht aufgrund der Gefahr zunehmender Resistenzbildung weiterhin Bedarf an neuen Medikamenten. In der klinischen Forschung werden deshalb immer noch zahlreiche neue Wirkstoffe getestet: Man sucht nicht nur weiterhin nach einem Impfstoff, sondern auch nach gut verträglichen Medikamenten, gegen die das Virus noch nicht resistent ist. 
Auch in der CRO wurden schon viele klinische Studien mit neuen Wirkstoffen gegen HIV durchgeführt. Wir kooperieren hierbei seit vielen Jahren sehr erfolgreich mit der infektiologischen Abteilung der Charité.