Colitis ulcerosa - Symptome und Therapie

Die Colitis ulcerosa ist neben dem Morbus Crohn die häufigste chronisch entzündliche Darmerkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise 130.000 bis 200.000 Menschen betroffen und jährlich kommen ca. 2.500 bis 3.200 Neuerkrankte hinzu.[1] Generell kann Colitis ulcerosa in jedem Lebensalter in Erscheinung treten, wobei die Erkrankung meist im jungen Erwachsenenalter (zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr) manifest wird. Frauen erkranken etwas häufiger als Männer.

Im Gegensatz zum Morbus Crohn betrifft die Colitis ulcerosa fast ausschließlich den Dickdarm (Kolon). Dessen Schleimhaut entzündet sich, wodurch oberflächliche oder tiefer gehende Schleimhautverletzungen (Erosionen oder Ulzerationen) entstehen. Dadurch kommt es als Hauptmerkmal der Erkrankung zu blutig-schleimigen Durchfällen.
Ursachen und Entstehungsweg der Erkrankung sind bisher nur ansatzweise bekannt bzw. verstanden. Ein wichtiger Aspekt sind  übermäßige Immunreaktionen des Darms. Zudem scheinen genetische und Umweltfaktoren bei der Ausbildung der chronischen Entzündung eine Rolle zu spielen.

Symptome der Colitis ulcerosa

Typisch für die in Schüben verlaufende Krankheit sind schmerzhafte, blutige und schleimige Stuhlgänge mit in ausgeprägtesten Fällen bis zu 20 Stuhlentleerungen pro Tag (und die Nacht hindurch). Trotz vermehrten Stuhldrangs haben die Betroffenen dennoch das Gefühl einer inkompletten Entleerung. Hinzu können Bauchschmerzen bzw. Bauchkrämpfe kommen. Im Rahmen einer Colitis können auch entzündliche Veränderungen außerhalb des Darmes auftreten (Bauchspeicheldrüse, Gallenwege; aber auch Gelenke, Haut oder Augen).

Je nachdem wo und in welcher Intensität der Dickdarm entzündet ist, unterscheiden sich die Symptome wie auch die Ausprägungen der jeweiligen Beschwerden. Ein Teil der Patienten kann die Colitis aufgrund milder Symptome relativ gut in den Alltag integrieren. Stärker Betroffene bzw. Erkrankte während eines Schubs haben häufig einen hohen Leidensdruck und eine starke Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Diagnosestellung bei Colitis ulcerosa

Liegen Beschwerden vor, die auf eine Colitis ulcerosa hindeuten, wird der Arzt eine eingehende Befragung (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung durchführen. Ferner werden Stuhl- sowie Blutproben im Labor untersucht. Entscheidend für die Sicherung der Diagnose ist eine feingewebliche (histologische) Untersuchung von Schleimhautproben (Biopsien), die im Rahmen einer Spiegelung (endoskopischen Untersuchung) des Dickdarmes gewonnen werden. 

Therapie der Colitis ulcerosa

Je nach Ausdehnung, Intensität und Symptomatik der Erkrankung  unterscheidet sich die Therapie der Colitis ulcerosa. Für eine medikamentöse Behandlung stehen mehrere entzündungshemmende Wirkstoffe zur Verfügung. Ein wesentliches Basispräparat stellen Präparate der 5-Aminosalicylsäure (5-ASA) dar, eine dem Aspirin chemisch verwandte Substanz. Patienten mit Colitis ulcerosea haben gegenüber der Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko am Darmkrebs zu erkranken. Eine Dauertherapie mit Mesalazin, einem typischen Vertreter der 5-ASA-Präparate, kann dieses Risiko deutlich verringern. Weitere entzündungshemmende Wirkstoffe sind direkt am Darm angewandte Kortikosteroid-Präparate, die in Form von Schaum oder als Einlauf/ Klysma verfügbar sind. Kortikosteroide - wie Prednisolon in Form von Tabletten - sollten möglichst auf die Anwendung in der Akutphase von entzündlichen Schüben begrenzt bleiben. Bei schweren Verläufen können auch immunsuppressive Substanzen eingesetzt werden, d.h. Präparate die die Immunreaktionen des Körpers abschwächen (wie Azathioprin oder 6-Mercaptopurin ).
Medikamente sind jedoch nicht in der Lage die Erkrankung  dauerhaft zu heilen. Bei schweren Verläufen kann eine chirurgische Behandlung notwendig werden, bei der der Dickdarm entfernt wird. Eine vollständige sog. Proktokolektomie führt zur Heilung der Erkrankung.

Ein deutlicher Fortschritt in den medikamentösen Therapiemöglichkeiten sind biologische Wirkstoffe, die noch gezielter als die vorgenannten Substanzen immunologische Prozesse beeinflussen. Dazu gehören die bereits zugelassenen TNF-Antikörper und Vedolizumab, ein monoklonaler Antikörper, der ein Molekül auf der Oberfläche von aktivierten Immunzellen besetzt und dadurch überschießende Immunreaktionen blockiert bzw. abschwächt. Weitere biologische Wirkstoffe sind z.Zt. in Entwicklung.
Auch bei der Charité Research Organisation führen wir klinische Studien mit neuen Wirkstoffen gegen Colitis ulcerosa durch. Hierfür suchen wir betroffene Patienten, die an einer Studienteilnahme interessiert sind. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier

 


 
[1] Errechnet aufgrund der Daten aus: Dignass, A.; Preiß, J. C.; Aust, D. E.; Autschbach, F.; Ballauff, A.; Barretton, G.; ... & Jantschek, G. (2011). Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 - Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz. Zeitschrift für Gastroenterologie, 49(09), 1276-1341.